TestarossaTitel

 

In den 50er Jahren tauchte sein Name zum ersten Mal auf und gewann dreimal die Markenweltmeisterschaft: Der Ferrari Testa Rossa.

 

Seine Typen-Bezeichnung verdankte er den rot lackierten Zylinderköpfen, die damals als eine Art Zeichen für die unbändige Power der Sportwagen aus Maranello standen und ein kleines Kunstwerk darstellten.

Fast 30 Jahre später, 1984, ließen Namen neu aufleben und schrieben ihn von nun in einem Wort: TESTAROSSA. Um damit eine wahrscheinlich noch größere Legende zu schaffen. Pininfarina, als Autodesigner selbst schon zu Lebzeiten legendär, schaffte es, ein zeitlos schönes Kunstwerk auf vier Rädern zu kreieren, wie es wohl kein zweites mehr geben sollte.

Er war flach, er war breit, er war schnell und er war laut. Ein automobiler Macho in Vollendung. Gedacht als Nachfolger des 512 BBi, trieb den neuen Rotkopf im Heck ein 4.942 ccm großer Zwölfzylinder-V-Motor mit 180°-Winkel, vier Ventilen pro Zylinder, einer modernen und den strengen amerikanischen Abgasvorschriften entsprechenden Bosch-K-Jetronik sowie Trockensumpfschmierung an. In Zahlen bedeutete das 287 kW/390 PS bei 6.300/min und ein bulliges Drehmoment von 490 Nm bei 4.500/min. Basta.


Für die damalige Zeit waren die Fahrleistungen spektakulär und bei jedem Autoquartett einer der Trümpfe. Den obligatorischen Nullaufhundert-Sprint erledigte der 1.632 kg schwere Sportler in 5,7 Sekunden, die 200 erreichte er nach 19,7 Sekunden und bei 295 km/h war dann Schluß mit Lustig. Denn der Testarossa forderte seinem Fahrer alles ab, was Konzentration und Reaktionsvermögen anging. Die zeitgemäße 240/45 VR 415 TRX-Bereifung auf der Vorderachse sorgte für einen, sagen wir mal, variablen Geradeauslauf, je nach Rille im Asphalt. Das fehlen einer Servolenkung verlangte den Fahrerarmen im Stand 149 N und während der Fahrt 69 N an Kraftaufwand ab. Die Pedalkräfte spielten sich zwischen 30 N beim Gaspedal, 180 N bei der Kupplung und 220 N fürs Bremspedal ab. Also waren auch kräftige Waden gefragt.

 

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Das alles spielte für den Besitzer aber keine große Rolle, zu begehrenswert war der Platz hinter dem Volant. Immerhin wurden in den 12 Jahren Bauzeit bis 1996 die stattliche Anzahl von 7.177 Testarossa, 512 TR und 512 Modificata an die beneidenswerten Ferraristi verkauft.
Damit zählten diese Baureihen ungeachtet ihres hohen Preises von anfangs 222.300,- DM (1985, später 332.000,- DM anno 1995) zu den am weitesten verbreiteten Ferrari-Modellen.

Selbst in Hollywood bekam der schnittige Italiener seinen gebührenden Auftritt. Als Dienstfahrzeug chauffierte mit ihm Undercovercop Sonny Crocket (Don Johnson) ab Staffel 2 seinen Kollegen Ricardo Tubbs (Philip Michael Thomas) von Tatort zu Tatort. Als Monospecchio (mit dem einen oben liegenden Außenspiegel der ersten Serie) und in Weiß erlangte der Testarossa so noch mehr Berühmtheit.

Zurück ins Cockpit. Bei einer Außenhöhe von lediglich 1,13 m standen einem im Inneren nur noch 870 mm zur Verfügung, für die Italiener, die den Wagen entworfen und entwickelt haben war das wahrscheinlich mehr als ausreichend, aber der Rest der Weltbevölkerung ab 1,80 m durfte nicht unter Klaustrophobie leiden.

Wer beim Umdrehen des Schlüssels nun ein störrisches und schwer zu zähmendes Biest erwartete, wurde eines Besseren belehrt. Der Testarossa verfiel rasch in seine Leerlaufdrehzahl von 1.000/min und blubberte mit seinen zwölf Töpfen gemächlich vor sich hin. Bis, ja bis man ihm die Sporen gab...

 

Dann kam das Cavallino rapante in ihm zum Vorschein und er stürmte laut brüllend nach vorne. Ein Augen- und Ohrenschmaus par Excellence...

Wer es gerne gemächlich und schaltfaul anging, den verblüffte der rote Flitzer mit seinem Drehmoment und seiner Elastizität: von 50 km/h bis zur Endgeschwindigkeit genügte ihm der 5. Gang. Und nicht, dass er dabei ruckelnd in Fahrt kam, nein, ganz sauber vergingen etwa von 60 auf 120 km/h nur 15 Sekunden, 30 Sekunden später knackte er die 180er Marke. Ohne einmal zu schalten.

Zu guter Letzt noch die unnötigste Frage: was genehmigte sich ein 5-Literzwölfender damals? Ganz ehrlich, das spielte bei diesem Teil keine Rolle. Hinter vorgehaltener Hand hieß es, der Minimalverbrauch läge bei 14,8 Liter Super, maximal seien es über 23. Aber wen juckte das? Bei diesem zeitlosen Kunstwerk aus Blech für die Ewigkeit...

An dieser Stelle: Vielen Dank an Christian Oswald für die zur Verfügungstellung seines roten Schätzchens!

Bericht/Fotos: Guido Strauss/Theresa Weinand